Die Rettung der Welt zum Mitmachen


Wie kann man aus unserer Welt in der aktuellen welt-, gesellschafts- und umweltpolitischen Lage als einzelne Person einen Beitrag leisten, um daraus einen besseren, (noch) lebenswerteren Platz zu schaffen? Eine Frage, die mich schon sehr lange beschäftigt, während meines Studiums noch intensiver aufgetreten ist, und die ich auch in meiner ehemaligen Schule in meinem Unterricht in Geographie und Wirtschaftskunde immer wieder gestellt und thematisiert habe.

Bei einem meiner regelmäßigen Versuche zum Beispiel durch nachhaltiges Einkaufen einen kleinen eigenen Beitrag dazu zu leisten, war ich heute auf dem mittlerweile sehr bekannten GEA-Flohmarkt, der von Gea-Gründer Heini Staudinger 2 mal pro Jahr in etlichen seiner GEA-Geschäfte veranstaltet wird, um mich mit qualitativ hochwertigem Schuhwerk „made in Austria/Waldviertel“ für die kommende Herbst-/Wintersaison zu wappnen 🙂 Dabei bin ich nicht nur schuhmäßig fündig und glücklich geworden, sondern durch eines der Plakate im Geschäft auf den deutschen Sozialpsychologen und Futurzwei-Erfinder Harald Welzer aufmerksam geworden. Der Text, der zugegebenermaßen sehr zugespitzt und auf den Punkt gebracht formuliert ist und sicherlich in dem einen oder anderen Fall noch genauer hinterfragt gehört, hat mich fasziniert und wieder mal nachdenklich gemacht. Es handelt sich dabei um 10 Empfehlungen Welzers, was jeder einzelne sofort von uns tun kann, um einen Beitrag zur Rettung der Welt zu leisten. Kurz, bündig und griffig 😉 Ich möchte die Punkte von Harald Welzer hier wiedergeben und meinen Beitrag dazu leisten, sie zu verbreiten und zum Nachdenken/-ahmen anzuregen …

  1. Selber denken!
  2. Trauen Sie endlich Ihrem Gefühl, dass um Sie herum ein großes Illusionstheater stattfindet. Die Kulissen simulieren Stabilität, aber das Stück ist eine Farce: Immerfort treten dicke Männer auf und brüllen „Wachstum!“, Spekulanten spielen Länderdomino, und dauernd tänzeln Nummerngirls mit Katastrophenbildern über die Bühne. Das Publikum ist genervt und wütend, bleibt gleichwohl bis zum Ende der Vorstellung sitzen. Aber: Wann wird das wohl kommen?
  3. Verlassen Sie besser die Vorstellung und beginnen Sie, ganz einfache Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Warum muss man immer mehr arbeiten, wenn man immer mehr arbeitet? Warum werden die Schulden größer, wenn immer mehr gespart wird? Warum schrumpft alles andere, wenn die Wirtschaft wächst?
  4. Suchen Sie zusammen mit Ihren Freundinnen und Freunden nach Antworten. Zum Beispiel: Weil alle Idioten auch mehr arbeiten. Weil das Gesparte in fremde Taschen wandert. Weil viele börsennotierte Unternehmen staatsferne Parallelgesellschaften bilden, usw…
  5. Beschließen Sie, ab sofort nicht mehr mitzumachen, falls Ihre Antworten Sie beunruhigen.
  6. Fangen Sie damit an, aufzuhören. Hören Sie auf, Europapolitikern zu glauben. Hören Sie erst recht auf, Wirtschaftsforschungsinstituten zu glauben. Und hören Sie um Gottes willen damit auf, sich widerspruchslos erzählen zu lassen, irgendeine Entscheidung sei alternativlos gewesen. So etwas gibt es in Demokratien nicht.
  7. Wenn Sie jetzt so weit sind, dass Sie nicht mehr jeden Blödsinn tolerieren, nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume. Sie leben in einem der reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß am Leben und finden sich ganz gut. Warum zum Teufel machen Sie jeden Tag dasselbe und nie etwas anderes?
  8. Wie Sie Ihre Spielräume nutzen sollen? Schauen Sie sich einfach an, was andere machen. Es gibt doch unglaublich tolle Ansätze und Projekte: Energiegenossenschaften, Nachbarschaftsgärten, fairen Konsum, lokale Währungen, großartige Stiftungen, Unternehmen, die sich dem Wachstumszwang verweigern (mehr Infos zu solchen Ansätzen und Aktivitäten gibt’s übrigens hier zu finden: Ratgeber „Nachhaltig Leben“ von Susanne Wolf; Anm. d. Verf.). Schreiben Sie politischer, falls Sie Journalist sind. Forschen Sie für eine andere Zukunft, falls Sie in der Wissenschaft sind. Wechseln Sie die Pausenthemen, falls Sie am Band arbeiten. Kaufen Sie anders ein, falls Sie ein Restaurant haben. Fragen Sie, wo der Fisch herkommt, wenn Sie essen gehen. Interessieren Sie sich für die Zukunft Ihrer Schüler, falls Sie Lehrerin oder Lehrer sind. Fusionieren Sie mit einem Kindergarten, wenn Sie ein Seniorenheim leiten. Denken Sie ans Höllenfeuer, wenn Sie einem der vier großen Energiekonzerne vorstehen. Produzieren Sie cradle to cradle, wenn Sie eine Fabrik besitzen. Riskieren Sie etwas, wenn Sie sich für intellektuell halten.
  9. Versuchen Sie irgendwo dazuzugehören, wo Sie stolz sagen können: „Wir machen das anders!“ Zum Beispiel eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln, Ideen interessanter finden als Erfahrung, nicht auf Kosten anderer leben, oder was Ihnen sonst noch einfällt. Zukunftsfähig zu sein bedeutet das Gegenteil vom business as usual: lernend, fehlerfreundlich, reversibel zu handeln.
  10. Bilden Sie Labore der Zukunft und haben Sie Spaß dabei. Vergessen Sie das „5-vor-12“-Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der „Weltgemeinschaft“ und der Notwendigkeit globaler Lösungen. Niemand hat an Ihrer Wiege gestanden und mit hohler Stimme gesagt: „Lars, du bist zu uns gekommen, um die Welt zu retten!“ Es genügt völlig, wenn Sie beginnen, mit Ihrem Leben, Ihren Lieben und Ihrem Land verantwortungsvoll und zukunftsfähig umzugehen. Das aber bitte gleich. Stornieren Sie Ihre nächste blöde Flugreise (Sie wollen da sowieso nicht hin), bestellen Sie Ihr nächstes Auto erst gar nicht (es wird Sie unglücklicher machen, weil Sie glaubten, es mache Sie glücklicher), kaufen Sie nichts mehr, was zu billig ist (denn dann hat irgendjemand zu wenig bekommen). Säbeln Sie in Ihre Weihnachtsgans und teilen Sie Ihren Kindern oder Enkeln mit, dass Sie ab jetzt Ihr Leben ändern werden. Das wird Ihnen helfen, es tatsächlich zu tun (denn jetzt können Sie nicht mehr zurück).

Sehr spannend, wie ich finde, und sehr disuktierens-, aber in (fast) allen Punkten umsetzenswert.

Laut Wikipedia „plädiert Harald Welzer in seinem Werk Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand für einen reduktiven Lebensstil im Gegensatz zum – nicht nur in der westlichen Welt vorherrschenden – alles immer. Es gehe nicht um Wachstum, Effizienz und Konsum, sondern um Glück und Zukunftstauglichkeit. Weder das Glück und noch die Zukunftstauglichkeit hänge aber im Wesentlichen vom Besitz ab. Welzer kritisiert, dass der gegenwärtig praktizierte Lebensstil unserer Gesellschaft durch hypertrophes Wachstum seine eigene Voraussetzungen konsumiere. Welzer stellt verschiedene erfolgreiche Formen des Selbstdenkens und -handelns vor, die sich am Gemeinwohl statt an individuellem Profit orientieren und animiert dazu, die eigenen Handlungsspielräume zu nutzen.“ (siehe auch: über Harald Welzer)

Welzer ist Mitbegründer der gemeinnützigen Stiftung FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit, die sich das Aufzeigen und Fördern alternativer Lebensstile und Wirtschaftsformen zur Aufgabe gemacht hat.

Mehr habe ich dazu heute nicht zu sagen, außer: lasst uns beginnen, jeder in seinem Bereich und mit seinen Möglichkeiten 😉 UND: unterschätzt unsere Macht als Konsument (sprich: unseres Geldbörsels) nicht!

PS: hier gibt’s übrigens noch einen interessanten Report über Harald Welzer in der TAZ-Online 😉

4 Gedanken zu “Die Rettung der Welt zum Mitmachen

  1. Weiter so Richard – Von Harald Welzer habe ich vor zwei, drei Jahren einen Vortrag in Innsbruck über „shared economy“ gehört. War recht gut. Sein Buch lese ich gerade im Urlaub.

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    1. Hi Johannes, danke für deine positive Rückmeldung. Ich finde die Ideen von Welzer sehr interessant und spannend, werde mich in nächster Zeit noch öfter damit beschäftigen. Es ist ein zu wichtiges Thema …

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